Shotokan Karate Club Lustenau

Shotokan Europameisterschaft in Porto: Sterne über portugiesischen Tatamis

Shotokan Europameisterschaft in Porto: Sterne über portugiesischen Tatamis

Nach den guten Ergebnissen sowie der Bronzemedaille bei der Stilrichtungs-WM in Treviso wollten wir uns bei der Shotokan Europameisterschaft in Portugal steigern und endlich das Team Finale erreichen. So früh im Text möchte ich noch keine Spoiler platzieren, aber bereits die Vorbereitung war diesmal etwas, naja, "irregulär": Wegen zweier Verletzungen (am Fuß und am Handgelenk) konnte ich ausgerechnet im letzten Monat vor dem Wettkampf für gut zwei Wochen nicht richtig trainieren. Das machte sich leider klar bemerkbar, körperlich fehlte diesmal klar der letzte Schliff (oder sogar der vorletzte). Also blieb nur der Versuch, das Körperliche möglichst mit starkem Kampfgeist zu kompensieren. Im Einzelbewerb ging das ein Stück weit sogar recht gut. Nach drei Siegen über Italien, Schweden und Deutschland, konnte ich die Medaille schon fast riechen, verlor dann aber doch im Viertelfinale gegen England (ja, derselbe vom letzten Mal! No, I was NOT amused.): 5. Platz.

Im Team Bewerb gegen Ungarn ging ich als Dritter auf die Tatami, da stand es schon 1:1. Ich musste also versuchen, möglichst hoch, also durch Ippon zu gewinnen, da unsere Kämpfer Nummer 4 und 5 noch recht neu im Team waren und wir das Match möglichst schon in den ersten drei Kämpfen entscheiden wollten. Bei der WSKA vor gut einem Monat hatten wir die Begegnung gegen Ungarn noch gut unter Kontrolle. Doch diesmal sollte es anders kommen. Etwas skurril waren dabei zwei Schiedsrichterentscheidungen in meinem Kampf: Als ich den Gegner mit Gyaku Jodan leicht tuschierte, bekam ich eine Verwarnung wegen zu harten Kontakts. Kurz darauf krachte ein Gyaku Jodan des Ungarn auf mein Kinn - ich will nicht sagen "etwas zu hart", aber die Kieferknochen sind im Grunde nicht dazu designt, sich bis hinter die Ohren zu bewegen... Also sah ich mitten am Nachmittag schon Sternchen und legte mich - wahrscheinlich, weil ich dachte, es sei plötzlich die Nacht über uns eingebrochen - kurz auf die Kampfmatte. Für die Schiedsrichter war es ein klarer Ippon, also ein direkter Sieg für Ungarn. Unsere letzten beiden Kämpfer konnten das Match leider auch nicht mehr herumreißen, also war der Bewerb für uns gelaufen.

Ein bisschen etwas konnte ich aber dennoch von der Reise mitnehmen: Porto ist auch bei Nacht wunderschön und Harry Potters Bibliothek (das heißt, die aus dem Film) steht ebenfalls hier. In manchen Fällen wären für bestimmte Schiedsrichter neben Seh- auch Hörtests hilfreich: Das österreichische Kata Team wurde disqualifiziert, weil der Hauptkampfrichter statt Gojushiho Dai, "Jitte" verstand: Selbst unterbudgetierte Verwechslungskomödien aus den Neunzigern haben plausiblere Drehbücher... Davon abgesehen können auch Etiketten von Sardinendosen Kunst sein. Schon allein die portugiesischen Cremetörtchen sind die Reise wert. Und zu guter letzt: Mit einer starken Einstellung kann man bei einem Wettkampf zwar noch einiges kompensieren, wenn es aber wirklich klappen soll, geht nichts ohne hartes und konsequentes Training, Training, Training.


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